Rabatt auf Ravioli
Kleine Zeitung, 19.10.2024:
„Salon Klaus“ und Dan Knoppers Irrsinn.
Noch bevor Dan Knopper für sein zweites Kabarett-Programm „Salon Klaus“ die Bühne betritt, ist der Schauwert groß. Vor dem Publikum türmen sich Requisiten, die eine Weiterführung von Knoppers Ein-Mann-Revue „Salon Sieglinde“ versprechen. Und so ist es auch: Der Kabarettist schlüpft in aus seinem Debüt bekannte Rollen und macht Kabarett jenseits aktueller Trends. Knopper vereint dafür kabarettistisches Feingefühl, gekonntes Schauspiel, bemerkenswerte Musikalität und eine gepflegte Portion freundlichen Irrsinn zu einer Mischung, die auf den heimischen Kabarettbühnen momentan ihresgleichen sucht.
„Salon Klaus“ ist ein Abend voller Höhepunkte in rasanter Folge. Neben skurrilen Schlagerparodien und einem Song über Rabatt auf Ravioli begeister vor allem sein Versdramolett. Bei dem längeren Stück im Stück wechselt der Kabarettist die Figuren zwischendurch fast im Sekundentakt. Gegen Ende des bunten Abends schaut sogar noch ein geisterhafter Ahnvater des österreichischen Kabaretts vorbei und trägt eine politische, aktuelle Version eines seiner Lieder vor. Noch bis 19.10. im Theatercafé.
Die Presse, 26.11.2024:
Dan Knopper bringt alle Typen unter einen Hut
Der steirische Kabarettist fetzt in seinem zweiten Soloprogramm „Salon Klaus“ durch ein abwechslungsreiches Ein-Mann-Stück.
„Klaus ist nicht da. Nehmen Sie mit mir Vorlieb.“ Mit diesen Worten eröffnet Dan Knopper sein zweites Kabarettprogramm. Nach „Salon Sieglinde“ startete „Salon Klaus“ im Herbst2024 als logische Folge dieser speziellen Art von Kleinkunst, die der steirische Singer-Songwriter auf die Bühne bringt. Der November-Abend im Theater am Alsergrund war fast ausverkauft.
„Salon Klaus“ vereint Musik mit Show-Einlagen, die einen Hauch von Löwingertheater, Simpl-Revue haben, die skurrilsten Typen und fasziniert mit der flotten Ein-Mann-Show, in der auch Frauen wie die bereits bekannte Sieglinde dargestellt werden. Die Satire trifft ins Herz: Ähnlich wie Felix Mitterer einst die Piefke-Saga schuf, zaubert Knopper am Beispiel ländlicher Idylle ein Bild des ganz normalen Chaos in Österreich hervor.
Perücken und Hüte
Die erste Hälfte füllt ein Stück über das Maibaum-Aufstellen mit einem halben Dutzend Figuren. Knopper wechselt Perücken, Kappen und Hüte in der gleichen Geschwindigkeit, wie er jedem Charakter eine eigene Körperhaltung und Dialekt umhängt. Die Ton-Effekte steuert er per Fernbedienung und Laptop selber, und manchmal holt er auch Hilfe aus dem Publikum. Es ist eine Kunst, die Zuschauenden einzubinden, ohne jemanden peinlich zu berühren.
Als Überthema nennt Knopper die Empörung, wobei sich sogar das Publikum den Frust von der Seele schreien darf. Manche Szenen vermischen Song und Sketch, wie die Empörung an der Billa-Kassa: Dieser Part könnte auf YouTube oder Instagram zum echten Kult werden, da die Kommentare der wartenden Typen so treffend lustig sind (arrangiert von seinem Humorkollegen Raffael Wagner).
Das Warten auf Klaus ist kein absurdes Theater
Gelungen sind auch die Versionen von „The Boxer“, in der das Villacher „lei lei“ Paul Simons „lalalay“ ersetzt, und „Besame mucho“, das zur Hymne des Tierarztes wird, der zum Besamen muss. Die Vielfalt der Musikrichtungen, Dialekttypen und gesellschaftskritischen Aspekten macht den Abend kurzweilig und spannend. Knopper schaff t es auch, einen langen Sketch in der zweiten Hälfte in Versform und Versmaß vorzuführen, ohne dass es abgehoben oder langweilig wirkt. Das Warten auf Klaus endet schlussendlich – anders als das
Warten auf Godot – nicht absurd, sondern abrupt.
Mysterium und Mummenschanz
Falter, 21.9.2022:
Dan Knopper: Voll die Verarsche
Wer im Opening zur Signation der legendären Originalserie „Hawaii Five-O“ mit Superman-Cape über die Bühne fliegt, macht von Anfang an alles richtig. In der Version von Sammy Davis Jr. heißt der Titel nämlich „You Can Count On Me“ – und mit Dan Knopper darf in Zukunft gerechnet werden. Der bislang vorrangig als Singer/Songwriter in Erscheinung getretene Steirer versammelt in seinem Kabarettdebüt „Salon Sieglinde“ – ausgezeichnet mit dem renommierten „Grazer Kleinkunstvogel“ – auf höchst vergnügliche Weise ein Dutzend Kleinkunstcharaktere zu einem trashigen Varieté. Voll die fröhliche Verarsche. Knopper ist dabei nicht nur blödsinnig lustig, sondern auch politisch satirisch. Passt.
Kronen Zeitung, 14.5.2022:
Mysterium und Mummenschanz
Im Oktober 2021 hat Dan Knopper den Grazer “Kleinkunstvogel” gewonnen. Nun präsentierte der Deutschlandsberger im Theatercafé sein erstes Programm. Darin lädt er in den “Salon Sieglinde”, in dem so manch skurrile Figur ihren Auftritt feiert. Doch der Steirer liefert in seiner One-Man-Show weit mehr als die Kunst der Imitation. Er macht aus Kleinkunst großes Theater – und umgekehrt.
Dan Knopper steht keine Stunde auf der Bühne, da erreicht das Grazer Theatercafé bereits die erste Protestnote: “Das ist fadenscheiniger Mummenschanz”, empört sich ein Ex-BZÖ-Politiker, der selbst seine Brötchen mit fadenscheinigem Mummenschanz verdient.
Es sind solche moralischen Spitzfindigkeiten, die Dan Knopper in seinem “Salon Sieglinde” mit großem Gusto vorführt. Dafür lässt er eine Parade an skurrilen Figuren antanzen, die er mit minimalen Verkleidungen und maximaler Schauspielkunst alle selbst verkörpert: Von der Hausherrin Sieglinde, die in unverständlichem Dialekt spricht, aber kein Verständnis für die Lieder des französischen Chansoniers hat, über den Vorstand des Stockschützenvereins, der sich weigert zu gendern, bis er selbst zum Opfer des “Mitmeinens” wird, bis hin zum noblen Gentleman, der sich nichts mehr wünscht als eine Ehrverletzung seiner Freundin, damit er endlich richtig zuschlagen kann.
An künstlerischen Mitteln fährt Knopper dabei alles auf, was er irgendwie pointenreich in seine One-Man-Show zu verpacken weiß: Musik, Literatur, Poetry-Slam und sogar antike Mysterienspiele. Letzteres ist der einzige Weg, um die Teleshopping-Verkäufer-Qualitäten eines gewissen Sebastian Kurz auf die Bühne bringen zu können.
Kurz und gut: Dan Knopper hat seinen eigenen Weg gefunden, mit Kabarett-Klischees zu spielen. Dass er Theater-Erfahrung hat, ist dabei hilfreich. Doch die Art und Weise, wie er Kleinkunst und großes Theater vermischt, ist trotzdem keine Selbstverständlichkeit. Ein mehr als gelungenes Debüt.
